Obereichstätt  Ortsgeschichte und Hüttenwerk, Kirche und Lambertuskapelle, Kunstwerke von Alf Lechner

Obereichstättlied
gesungen vom Kirchenchor


 

Obereichstätt

 

Lang hingezogen erstreckt sich der Ort Obereichstätt entlang eines steilen, felsenreichen
Prallhangs des Altmühltals
.

Ortsgeschichte

 

Obereichstätt ist mit etwa 700 Einwohnern der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Dollnstein. Erst 1978 wurde es eingemeindet.

Eine ergiebige Karstquelle mitten im Dorf ("Hüttenbach“) ist wahrscheinlich der Grund für die Entstehung des Ortes, der urkundlich 1137 zum ersten MaI erwähnt wird. 1137 bis 1261 sind Ortsadelige nachweisbar. Sie bewohnten eine Wasserburg an der Altmühl, deren Kapelle, die Lambertuskapelle, noch erhalten ist. Eine zweite Burg lag vermutlich unterhalb der Kirche im Bereich der ehemaligen Gastwirtschaft Kammerbauer. Von den Grafen von Oettingen, an die Obereichstätt 1305 nach dem Aussterben der Grafen von Hirschberg übergegangen war, wurde es 1347 an den Bischof von Eichstätt getauscht und gehörte bis zur Säkularisation zum Hochstift. 

 

 

Die Geschichte des Ortes ist eng verbunden mit der Geschichte des „Hüttenwerkes“, das einst hier stand. Schon 1411 wurde es gegründet., war bis 1550 Privatbesitz, dann fürstbischöflich.  Nach dem Neubau 1692 unter Bischof Euchar Schenk von Castell entwickelte sich das Werk zum einem (früh)industriellen Betrieb, dem einzigen der Eichstätter Fürstbischöfe, in dem mit Hilfe von Holzkohle die auf der Jurahochfläche gefundenen sog. Bohnerze verhüttet wurden. Nach der Säkularisation ging das Werk  in das Eigentum des Bayerischen Staates über. 1817-55 war der Herzog von Leuchtenberg und Fürst von Eichstätt Besitzer von Ort und Hüttenwerk, ab 1862 wieder Bayern.
Die Gemeinde Obereichstätt  war durch das Hüttenwerk reich und in ganz Bayern bekannt. Die sozialen Einrichtungen wie Arbeiterwohnhäuser und Werkskantine, eine Werkskrankenkasse und eine Pensionskasse waren vorbildlich.

Voraussetzung für die Entstehung des Werkes war der "Hüttenbach", der am Fuß des nördlich des Ortes gelegenen  Steilhangs in einer starken Karstquelle mit  einer Schüttung  von etwa 750 Litern in der Sekunde entspringt und in zwei Zweigen durch den Ort der Altmühl zufließt. Um 1700 betrieb er auf seinem kurzen Weg neben mehreren Mühlen auch den "Pochhammer", in dem das Eisen ausgeschmiedet wurde. Der Obereichstätter Eisenschmelze waren auch  die beiden Hammerwerke von Hagenacker und Altendorf ("Hammermühle") angeschlossen .


Die noch erhaltenen klassizistischen Gebäude des ehemaligen Hüttenwerks wurden 1830 in der Zeit der Herzöge von Leuchtenberg (1817-1855) erbaut.


Der Hüttenbach mündet schon weniger als 200 Meter nach seiner Quelle in die Altmühl.

 

Im Werk wurden zunächst Gebrauchsgegenstände wie Kessel, Töpfe und Ofenplatten gegossen.  Später wagte man sich auch an den Guss von Kunstgegen-ständen. Es wurden Büsten, Kreuzigungsgruppen, Heiligenfiguren, Tierköpfe und vor allen reich mit Jagddarstellungen, Szenen aus der Bauernarbeit und Blumenmotiven verzierte Ofenplatten gegossen.



Ofenplatte aus dem Hüttenwerk

Die Kreuzigungsgruppe (rechtes Bild) schmückt die Oberichstätter  Friedhofsmauer.

 

1862 wurde der Hochofen wegen Knappheit und damit starker Verteuerung des Holzes stillgelegt, und andere Gussverfahren wurden eingeführt.

Ab 1919 wurden von ca. 200 Beschäftigten Maschinen gegossen, 1929 die Gießerei stillgelegt und 1932 das Werk ganz stillgelegt. Auf dem Gelände entstand ein Steinverarbeitungsbetrieb, der auf einem Teil des Geländes einen Steinbruch erschloss und daraus den großen Teil seiner Steine gewann.

 


 

 

 

 

 

 

 

 Lithographie des Hüttenwerkes
von Emil Büttner (ca. 1835)



Das Hüttenwerksgelände 2006

 

Heute setzt der 1925 in München geborene weltbekannte Stahlbildhauer Alf Lechner die Obereichstätter Eisentradition auf andere Art fort. 1999 erwarb er das über 15 Jahre ungenutzte Grundstück, sanierte die Gebäude  von Grund auf und schuf auf dem Gelände des einstigen Hüttenwerkes einen Skulpturenpark mit seinen Kunstwerken.

Zu Kunstwerken
von Professor Alf Lechner


Bild rechts: Das ehemalige Hüttenwerksgelände heute.

 

Obereichstättlied
gesungen vom Kirchenchor

 


 

Sehenswertes

 

Pfarrkirche St. Johannes Evangelist

 

Die katholische Pfarrkirche St. Johannes Evangelist  mit ihrem massigen Turm wurde um 1150 erbaut. Wie die Schießscharten am Turm  und die halbkreis-förmige Friedhofsmauer um die Kirche nahe legen, war sie eine Wehrkirche, die der Ortsbevölkerung in unruhigen Zeiten als Zufluchtsort diente. 1626 wurde sie umgebaut. Aus  dieser Zeit stammen das oberste Geschoss des Turmes mit dem Satteldach und den stichbogigen Schallöffnungen.  Die Altarausstattung ist barock, das Deckengemälde malte 1914 Franz Xaver Hartmann.
An der nördlichen Langhauswand hängt ein sehr bedeutendes spätgotisches Monumentalkreuz (ca. 1500), das nach der Säkularisation aus dem ehemaligen Chorherrenstift Rebdorf hierher gekauft wurde.

 Lambertuskapelle

Die Lambertuskapelle, ehemals Kapelle
einer Wasserburg

Die dem heiligen Lambertus von Maastricht (+708) geweihte und nach ihm benannte Kapelle im Süden des Ortes nahe der Altmühl war die einstige Kapelle der Wasserburg. Diese stand an der Stelle des heutigen Meierhofes, war durch einen von der Altmühl abgeleiteten Wassergraben geschützt und diente ortansässigen adeligen Ministerialen als Wohnung.

Erbaut wurde die Kapelle wohl im 12. Jahrhundert. Die romanische Anlage besteht aus der halbrunden Apsis  mit einem Halbkuppelgewölbe und dem Schiff. Aus der Zeit der Spätgotik stammt das niedrige Portal an der Nordseite mit dem Eselsrückenbogen. 1626 ist eine Altarweihe erwähnt. Im 18. Jahrhundert wurde das Türmchen erbaut; auch die Fenster erhielten damals ihre heutige Form.

Durch Jahrhunderte brachten Mütter aus nah und  fern ihre kranken und "behexten", später sogar ihre tot geborenen Kinder hierher zur Kapelle und legten sie in ein Loch an der Rückseite des Altares im Glauben, dass sie dadurch auf die Fürsprache des Heiligen durch ein Wunder sofort gesunden bzw. zum Leben erweckt würden.

Obwohl der Bischof schon 1601 diesen Brauch verbot, hielt er sich bis in den erste Hälfte des
20. Jahrhunderts.

 

Zu den Kunstwerken in der Kirche und Lambertus-Kapelle